Impulse für den Tag

Wo sind die Jünger ?

Beim Aufräumen fand ich ein Bild, das ein Jugendlicher vor Jahren bei der Firmvorbereitung gemalt hat: Jesus; am leeren Abendmahlstisch, dazu die Frage, wo sind die Jünger?

Wer hätte gedacht, dass diese Frage in diesem Jahr so real geworden ist.

Genauso befremdlich wie dieses Bild ist für mich die Situation in den leeren Kirchen. Messfeiern unter Ausschluss der Öffentlichkeit, sie wirken so befremdlich, können nur eine Notlösung sein. Gerade die Messfeier ist auf Gemeinschaft angelegt, mit Gott und untereinander.

Wo sind die Jünger?

Im neuen  Testament wird berichtet, dass  Jesus eines Tages selbst die Jünger wegschickt. Sie sollen zu den Menschen gehen, mit Taten und Worten die frohe Botschaft verkünden. Da wo Not ist sollen sie helfen, zu den Kranken und Hilfebedürftigen sollen sie gehen. Gottes Nähe in menschlichen Gesten erfahrbar machen.

Plötzlich wirkt das Bild mit dem leeren Tisch gar nicht so erschreckend.

Vielleicht sind die Jünger gar nicht einfach nur weg, sondern  jetzt genau da, wo sie jetzt gebraucht werden.

Als Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, die sie sich selber der Gefahr der Ansteckung aussetzen, um anderen beizustehen.

Als Mitarbeiter/-innen in all den Berufen, die jetzt auf Hochdruck weiterarbeiten, um die Versorgung sicher zu stellen, in Supermärkten, Dienstleistungsberufen

Als Familien, die mit immer neuer Kreativität gefordert sind, den ungewohnt engen Lebensraum in der Familie trotz Einschränkungen gut und sinnvoll zu gestalten,

Als Nachbarn und Ehrenamtliche, die diejenigen in den Blick nehmen, die jetzt alleine sind und Hilfe brauchen.

Als Kinder, die Bilder malen, Briefe schreiben für Menschen im Seniorenheim.

Als Ratgeber, Helfer für alle, die um ihre Existenz fürchten.

Als Gesprächspartner, Mutmacher, Zuhörer am Telefon oder beim Spaziergang…..

Als Beterinnen und Beter, die sagen: Ich denke an Dich….

Und… und…

Ich vermute, es sind mehr als man denkt, mehr, als sich zum engen Kreis der regelmäßigen Gottesdienstbesucher rechnen, auch Konfessionen und Religionen sind da keine Grenzen

Die Erzählung in der Bibel von den Jüngern, die fortgeschickt wurden, endet äußerst erfreulich. Sie kommen irgendwann wieder, und berichten, was sie erlebt haben. Es war viel Erstaunliches und Ermutigendes geschehen, manche konnten sogar von Wundern berichten.

Ich bin mir sicher, auch die Jünger und Jüngerinnen heute werden wiederkommen, und viel zu erzählen haben: Trauriges, vielleicht auch manche Ohnmachtserfahrungen. Aber es wird auch viel Schönes, Tröstliches dabei sein, ganz neue Erfahrungen,  Hoffnungsgeschichten. Es lohnt sich, die weiter zu erzählen.  Und wenn es nicht die ganz großen Wunder sind,  dann sicher manch Wunderbares, was immer dort geschieht,  wo Menschen füreinander da sind.

Damit kann ich leben: Die Jünger sind nicht weg, sie sind jetzt da, wo Gott sie braucht. Und wenn wir uns wiedersehen, das wird ein Fest…